TOM BRADY UND DER GLAUBE…

…an ein gutes Aktienjahr!

Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit: Die 55. Ausgabe des Super Bowls, des weltweit grössten jährlich wiederkehrenden Sportanlasses, wurde in Tampa (FL) zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den Kansas City Chiefs ausgetragen. Mit 31:9 führte der Star-Quarterback Tom Brady seine Bucs aus Tampa zum Sieg und durfte die begehrte Vince Lombardy-Trophäe entgegennehmen. Für diejenigen Leser, welche sich bis dato nicht mit American Football auseinandergesetzt haben, sei der Super Bowl wie folgt erklärt: Jeweils am ersten Sonntag im Februar spielt das beste Team der American Football Conference (AFC) gegen das beste Team der National Football Conference (NFC) im Finale um den Super Bowl. Das Siegerteam darf sich dann Meister der National Football League (NFL) nennen und ist somit, aufgrund fehlender Konkurrenz von ausserhalb der USA, de facto auch gleichzeitig Weltmeister.

Man mag sich zu Recht fragen, in welchem Verhältnis der Super Bowl zum Thema Vermögensverwaltung steht. Je nach Betrachtung lautet die Antwort «in keinem» oder zumindest «in einem kleinen». Zwischen dem Ausgang des Super Bowls und der Entwicklung der Aktienmärkte besteht seit jeher eine Beziehung, allgemein bekannt als „Super Bowl Indikator“ (SBI). Die Theorie besagt, dass wenn ein Team aus der American Football Conference (AFC) gewinnt, im laufenden Jahr die Bären den Aktienmarkt dominieren, während bei einem Sieg eines Teams aus der National Football Conference (NFC) die Aussichten auf ein positives Aktienjahr gegeben sind. Einfach auf den Punkt gebracht, suggeriert der SBI die Entwicklung des Aktienmarktes für den weiteren Jahresverlauf. Leonard Koppett, ein Sportjournalist der New York Times, entdeckte diese originelle Besonderheit in den späten Siebzigern. Bis dahin hatte sich der SBI nie geirrt. Zu einer grösseren Popularität gelangte der SBI dann durch Robert Stovall, einen Wall Street Analysten. Wie so oft an der Wall Street geschehen, werden zufälligen Entdeckungen etwas Prophetisches zuteil, und sie gesellen sich im Laufe der Jahre in die Reihe unzähliger Börsenweisheiten.

Der Super Bowl wird seit 1967 ausgetragen. Beobachtet man die Periode von 1967 bis 1997, so lag der SBI 28 von 31 Mal richtig. Dies bedeutet eine Trefferquote von sagenhaften 90%. Von solcher Genauigkeit in punkto Marktvorhersage träumen wohl die meisten Volkswirte und Investment Strategen. Wirft man einen Blick auf den gesamten Zeitraum seit 1967, so liegt die Trefferquote bei 74%. In der Mehrzahl der Fälle ist es daher korrekt, dass eine Korrelation zwischen dem Ausgang des Super Bowls und dem Verlauf des Aktienmarktes besteht. Eine Kausalität hingegen ist nicht gegeben. Man spricht daher von einer Scheinkorrelation. Die auffallende Trefferquote entbehrt gleichzeitig jeglicher Finanzlehre. Einen rationalen Grund für die Treffgenauigkeit gibt es nicht. Der SBI geniesst den Ruf eines nicht wissenschaftlich basierten Aktienbarometers.

Vor allem über die letzten Jahre hat der SBI jedoch an Treffsicherheit eingebüsst. Die seit dem Jahre 2016 andauernde «Verlustserie» ist die längste in der Beobachtungsperiode. Die dem SBI zugrunde liegenden Daten sind über fünfzig Jahre alt, und gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen an den Aktienmärkten seither grundlegend verändert und unterlagen einem strukturellen Wandel.

Der Sieg der Bucs, einem Team der NFC, impliziert gemäss der Theorie positive Renditen am Aktienmarkt. Müssen wir als Anleger nun Aktien kaufen? Die Antwort liegt im Ermessen eines jeden. So oder so, der SBI ist ein „Fun Fact“, ein unterhaltsames Phänomen ohne plausible Begründung in einer oft ernsthaften Finanzwelt. Aber was ist in dieser Zeit überhaupt noch plausibel? In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass der SBI Recht behält und Tom Brady und seine Bucs uns positive Aktienrenditen schenken. Wir wünschen Ihnen ein weiteres erfolgreiches Anlagejahr.